Der Drochterser Modellbauclub: Vom Traditionssegler bis zur Motorjacht

Artikel aus dem Stader Tageblatt vom 16.09.2016 von Grit Klempow.

Der Drochterser Modellbauclub: Vom Traditionssegler bis zur Motorjacht

Ulf Stephan mit seiner Hermann Helms.
Ulf Stephan mit seiner Hermann Helms.

KRAUTSAND. Still ruht der See auf Krautsand – und das, obwohl Tanker fahren, Jachten kreuzen und Schlepper unterwegs sind. Regelmäßig trifft sich hier der Drochterser Modellbauclub. Ein generationsübergreifendes Hobby.

Es ist ein stiller Abend, mitten auf der Elbinsel Krautsand. Das Wasser kräuselt sich nur leicht, ideales Wetter für einen Bootsausflug auf dem See. Der mächtige Gaffelsegler ist ein Traditionsschiff und kreuzt vor der modernen Segeljacht. Richtig Fahrt nimmt die Motorjacht auf. Ein Feuerwehrschiff durchpflügt das Wasser, Fontäne aus der Feuerspritze inklusive. Den Kapitän am Ruder des Börtebootes bringt das nicht aus der Ruhe – und die Männer und Kinder am Ufer auch nicht. Jeder von ihnen hat eine Steuerung in der Hand, sein Gefährt auf dem Wasser genau im Blick und dabei einen Ausdruck von entspannter Konzentration auf dem Gesicht.

Hätte der Drochterser Modellbauclub seine gesamte Flotte zu Wasser gelassen – eine Havarie wäre fast unausweichlich. Allein Timo Haack und sein Vater haben Dutzende fahrtüchtige Modelle parat. Eins davon ist ein Containerschiff der Sietas-Werft im Maßstab 1:50. Es ist zwei Meter lang.

Wer hier mit einer Fernsteuerung am Ufer steht, ist ein Mensch mit Geduld. Mit sehr viel Geduld und Ausdauer. Einer, der sich konzentriert einer Sache widmen kann. Stundenlang. Einer, der Wert auf Details legt, der tüftelt und probiert, bis sein Modell dem Original möglichst nah kommt. Egal, wie viel Zeit das kostet. Oder Material.

Hans Kühlke aus Freiburg ist einer von ihnen, er ist seit den Vereinsanfängen dabei. In seiner Werkstatt sind schon so manche Traditionsschiffe vom Stapel gelaufen – nach hunderten Stunden. In der „Grönland“, dem ersten Polarforschungsschiff mit Baujahr 1863, die im Modellformat auf dem kleinen Vereinssee segelt, steckt „die Freizeit von zwei Jahren“, erzählt der Rentner. „Schöne, gute Eichenbohlen“ brauchte er, die Planken hat er aus Eichholz gehobelt. Jede einzelne.

Die Ruhe, die es für solche Fummelarbeit braucht, die liegt auch über dem See der Drochterser Modellbauer. Nicht zu verwechseln mit Langeweile. Modellbauer haben gleich zweifach etwas von ihrem Hobby: Konzentration und Abschalten beim Bauen und das Vergnügen und Abschalten beim Fahren. Ben Heuer gehört zu den jungen Modellbauern, er hat seinen Schlepper angeworfen und übt flotte Anlegemanöver. Was ihm mehr Spaß macht, das Bauen oder das Fahren? Bens Antwort kommt prompt, begleitet von einem Grinsen: „Fahren.“

Hans Kühlke hat schon manches Schiff vom Stapel gelassen.
Hans Kühlke hat schon manches Schiff vom Stapel gelassen.

Damit die Kinder das üben können, ohne die Modelle inklusive der unzähligen Stunden Arbeit zu versenken, hat Jugendwart Ulf Stephan spezielle Boote konstruiert. „Sie sind nicht zu schnell, einfach zu steuern und nicht kaputtzumachen“, sagt er. Außerdem können die neun Boote dieses Typs einen Ball dirigieren. Das trainiert die Feinmotorik, die für die Fernsteuerung benötigt wird – und der Fahrradschlauch als Puffer schützt die Holzboote bei Zusammenstößen.

Zehn Kinder gehören derzeit zum Verein. Und so mancher Erwachsene kehrte jetzt zu seinem ehemaligen Kindheitshobby zurück.

Zwei sitzen im blauen Polohemd, der Vereinskluft, nebeneinander, schauen konzentriert aufs Wasser, bewegen minimal die Hebel an der Fernsteuerung. Damit bringen sie nicht etwa einen Motor auf Touren, sie fieren die Schot ihrer Segler. Allein über die Leinen und die großen Segel ihrer windschnittigen Jachten nehmen die Modelle regattamäßig Fahrt auf, und das bei nur leichtem Wind auf dem gepachteten Clubsee, der immerhin 150 Meter lang ist. Wolfgang und Arne Cordsmeier steuern das gleiche Modell, das eine hat einen roten, das andere einen grünen Rumpf, der Kiel reicht tief ins Wasser, ist mit Blei gefüllt und hält die Jacht trotz der großen Segelfläche in der Balance. „Untergegangen ist noch keiner“, beruhigt Wolfgang Cordsmeier. Die Modelle vertragen ordentlich Fahrt und eine amtliche Schräglage. Diese Ruhe weghaben beide, Vater und Sohn.

Arne und Wolfgang Cordsmeier – Sohn und Vater – haben die Ruhe weg für schwierige Manöver.
Arne und Wolfgang Cordsmeier – Sohn und Vater – haben die Ruhe weg für schwierige Manöver.

Sollte es tatsächlich mal zu einer Havarie kommen, dann wäre Tyler Haack bestimmt sofort zur Stelle. Sein Feuerlöschboot ist mit einer Spritze ausgerüstet, die auf Knopfdruck funktioniert und eine bemerkenswerte Reichweite hat. Und dann ist da noch der Seenotrettungskreuzer, der sofort in See stechen könnte. Ulf Stephan hat ihn gebaut, und dabei – selbstverständlich – auf jedes Detail geachtet. Die Hermann Helms liegt einsatzbereit in Cuxhaven, und Stephan durfte sich sogar an Bord umsehen, damit das Modellformat dem großen Original möglichst nah kommt.

Training mit der Fernsteuerung: Jule Heuer und Tyler Haack.
Training mit der Fernsteuerung: Jule Heuer und Tyler Haack.

Aber der Abend bleibt still auf Krautsand. So still, dass sogar ein Maulwurf versehentlich in die Sonne krabbelt. Im Verein wird noch gefachsimpelt, bis auch die letzten die Boote an den Modell-Pollern des Ufers festmachen und das Wasser wieder spiegelglatt glänzt.

Information

Der Drochterser Modellbauclub wurde 1984 gegründet, seit 1990 ist der idyllische Privatsee auf Krautsand gepachtet. Hier fahren Modelle aller Art, von der James-Bond-Film-Jacht bis zu historischen Seglern. Der Antrieb der Modelle erfolgt über Wind oder Elektromotoren, Verbrennungsmotoren sind nicht gestattet. Für die Jugend werden immer wieder neue Bausätze entwickelt.

Die Aufnahmegebühr beträgt für Erwachsene einmalig 25 Euro, der Jahresbeitrag 20 Euro. Jugendliche bis 18 Jahre zahlen 10 Euro, Familien mit zwei Kindern 30 Euro pro Jahr.

Infos: 0 41 43 / 13 50

www.dmc-drochtersen.de

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